Schulthess Gartenpreis-Publikation 2013 – ERLEN MATT PARK

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich wollte damals auf die Preisübergabe im Jahre 2013 nicht reagieren. Zu fraglich kam mir das vor, dass ein Park bereits beim Bau quasi in die Ränge eines Preises kam.
Nun habe ich das Büchlein von Ihnen gekauft angesehen und studiert. Ihren Inhalt mag zwar sehr schön klingen doch was Sie mit dieser Publikation lobpreisen hat noch eine andere Geschichte hinter sich als die Sie hier vermitteln.

Die «Werkstatt Basel» war in der Mitte/Ende der neunziger Jahre ein versuchter Einbezug der Stadtbevölkerung in die Stadtentwicklung. Das Ziel bestand darin, an vielen gleichzeitig stattfindenden Gesprächsanlässe Ideen und Visionen für unseren Lebensraum zusammen zu tragen und so die wesentlichen nächsten Planungsschritte festlegen zu können. Dabei sind Themen wie verdichtet Bauen, Quartierentwicklung, Migration und einiges mehr als Themen besprochen worden.

Seit dieser «Werkstatt Basel» hatte die Regierung mit der Behörde so zu sagen einen Freipass, wenn sie sich im Rahmen dieser damaligen Diskussionsergebnissen bewegte.
Was diese damalige Bevölkerungsbefragung auch bewirkte war, dass später in dem Paragraphen 55 der neuen Kantonsverfassung die Mitwirkung der Bevölkerung bei Entscheidungen im öffentlichen Raum fortan verordnet wurde.

Eine eigentliche Diskussion über die Entwicklung des damaligen DB-Areals gab es nicht. Es wurde auf politischem Weg die Idee des Wohnungsbaus auf diesem Gleisareal vorangetrieben. Umbedingt musste das Vorhaben 5000 Wohnungen voran kommen und es wurde alles unternommen hier keine Nulllösung zu produzieren.
Es wurde der Kauf des Areals vorgespurt. Aus dem Verhandlungspartner Deutsche Bahn wurde die Vivico und somit der Kaufpreis um ein zehnfaches gesteigert. Ein Referendum zwang die Regierung den Kaufentscheid mit der Bevölkerung zu diskutieren.
Eine Zwischennutzung konnte auf dem Areal stattfinden. Mit der Vivico, der damaligen Areal-Besitzerin hatten die Zwischennutzenden einen Vertrag. Als es langsam zur Abstimmung kam, das Land von der Vivico für Wohnungsbau zu kaufen, hatte sich die Vivico an die Zwischennutzern gewendet und mit einer Kündigung gedroht falls sie sich öffentlich gegen den Kauf wenden sollten.

Damit ich mein Anliegen Messeplatz statt Erlenmatt nicht einbringen konnte versuchte das Baudepartement mir einen Maulkorb zu verpassen!
Hier der Inhalt, welches der Stadt Basel ein ganz anderes Gesicht verliehen hätte:

PDF
 
Schade. Ihre Publikation wiedergibt ein Bild, dass der effektiven Auseinandersetzung dieses Ortes und was geschehen hätte können, wenn die Bevölkerung tatsächlich einbezogen worden wäre, in keiner Hinsicht. Ich nehme Ihre Publikation desto trotz in meine Bibliothek auf, mann lernt ja – nie genug.

Mit einem lieben Gruss
Michele Cordasco


PS. Eine Publikation über einen kleinen Park möchte ich Ihnen noch gerne empfehlen. Es ist ein Ergebnis, dass weder verordnet noch gross herumgereicht wurde und das Buch ist entsprechend der kleinen Parkanlage ein kleines Juwel.

9.12.2014


Edition Stattfinder

Vision: Messeplatz statt Erlenmatt

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