Breite-Lehenmatt-Quartier-Gespräch
vom Mittwoch, 25.3.2010
Sehr geehrter Herr Morin
Danke für Ihr Einsatz als Regierungsrat.
Was ich an Ihnen sehr schätze ist, dass ich Sie als Menschen ehrlich und aufrichtig wahrnehme.
Zum gestrigen Abend möchte ich mich doch noch äussern.
Wie ich Ihnen bereits kurz mitteilte liegt das Problem des Breite-Quartier, tatsächlich darin, dass es ein Aussenquartier ist, welches kein eigentliche Identität schaffen kann. Das Breite-Lehenmatt ist Birsfelden orientiert und nicht zum Gellert hin, auch wenn alle Schulen auf dem Gellerthügel liegen. Dies war damals in den sechziger Jahre so, als ich als Kind im Lehenmatt wohnte, und es ist heute so.
Dieser Zustand, dass das Breite-Lehenmatt der Vorort von Birsfelden ist und Birsfelden wiederum Vorort von der Stadt Basel, zeigt deutlich die Problematik dieses Stadtteils.
Präzis dieser Zustand ermöglichte damals schon, dass die Autobahn an diesem heimatlosen Wohnort durchgezwängt werden konnte. Das eigentliche Quartierzentrum, rund um das damaligen Restaurant Fischerruh, wurde geschleift, u.s.f. .
Es war eine Fehlplanung, dass die Autobahn mitten durch das Breite-Lehenmatt gezogen wurde. Auch wenn unsere ehrenwerten SP-Grössen Max Wullschleger und Helmut Hubacher sich dafür stark machten. Eine Fehlplanung die sich heute als massive Bürde aufweist. Ich mag mich sehr gut an die damalige Diskussionen erinnern. Dabei wäre es damals mit einer Leichtigkeit möglich gewesen, die Nationalstrasse bei Pratteln nach Deutschland zu führen. Man hatte Angst, dass Basel umfahren werden könnte und so abseits vor wirtschaftlicher Begünstigungen liegen könnte. Diese permanente Angst, wirtschaftlich nicht begünstigt zu werden!
Wo wäre Basel mit der Wirtschaft, wäre der abrupte Schluss der Seidenband-Weberindustrie nicht gewesen. Die chemische Industrien in Basel (CIBA) die dank der Lösung, Seide mit chemischen Farben schneller und kräftiger färben zu können, danach ihr Wissen und Potenzial weiter entwickelten und so Basel zum weltweiten Chemie-Standort wurde...
Es braucht immer wieder ein Bruch um altes effektiv durch neues zu wandeln. Aber hierzu braucht es Mut und keine Angst.
Statt Energie effiziente Projekte sofort mit dem Geiste der Anti-AKW-Bewegung zu starten, verschlief man dieses neue Potenzial und setze immer noch auf das absteigende Potenzial der Chemie und hat somit die wesentlichsten Entwicklungen der Zukunft anderen Regionen überlassen.
Fortschritt zieht an, dies mit einer Prise Vergangenheitsbewältigung (Museen), kultiviertem Interessen am Umbekanntem (Wissenschaft und Kunst), mit Kommunikation und Vermittlung (Messen), der Förderung und Ermöglichung (neue Geldinstituten) und nicht zuletzt dem Potenzial der Erfahrung und Fertigkeit (Handwerk).
Hier zu bringt eine erweitertet Nationalstrasse mitten durch unser Quartier nicht wesentliches. Die wenigen Gäste, die sich in unsere Stadt zufällig verirren, werden kaum das Glück für Basel werden.
Also Ihre Meinung, wir brauchen einen Ausbau der Autobahn kann ich mit Ihnen nicht teilen. Völlig schräg steht diese Aussage im Raum und ich denke das ist nur weiter entwickelt und nicht neu gedacht!
Wir müssen die Sache vom Ort her verstehen.
Der ganze Nord-Süd-Verkehr mitten durch unseren Wohnraum (Strasse und Schiene), ist eine Bürde an der nur noch herum gebastelt werden kann. Völlig unprofessionell ist es hier Zeit zu verlieren. Es wäre höchstens eine politische Reaktion mit einem weiteren unrühmen Ergebnis. Jetzt muss die Situation an Ort eher reduziert werden und vom Lärm und Gestank befreit.
In einer Zeit, wo Unruhen von einzelnen wenigen Menschen inszeniert werden, wird, an dieser Stelle, ein Nadelöhr quasi auf dem Tablett präsentiert. Aus europäischen Sicherheitsgründen ist Ihr Argument hier einen Ausbau dieser Autobahn zu bauen, ein gefährliches unterfangen. Aber auch aus tektonischen Gründen ist es nicht sinnvoll dieses Nadelöhr noch zu verdichten. Bereits ein mittleres Erdbeben, mit dem wir in unserer Region immer rechnen müssen, könnte ein europäisches Chaos verursachen, welches wir im ganzen Ausmass gar nicht vorstellen können.
Es müssen Parallelstrecken entstehen in genügendem Abstand!
Der Fehler des jetzigen Eisenbahnstrecken-Ausbau am selben Ort, ist nun real. Der weitere Ausbau der Autobahn ist inhaltlich nicht angesagt! Es wäre schade, wenn Sie sich für ein solches Projekt hergeben müssten, wie unsere damaligen SP-Grössen.
Zum diesem Thema ist ein permanenter verschwiegener Schandfleck noch zu korrigieren:
Das Gellertschulhaus sowie das Merianschulhaus liegen unstattgemäss nahe an der Autobahn. Die Autobahn wurde nachträglich gebaut. Das Gesetz wurde nachträglich geschaffen, aber es sagt aus, dass diese Schulhäuser eindeutig zu nahe an der Nationalstrasse liegen und somit eigentlich illegal. Und wer geht dort zur Schule? Genau wieder jene die im Zwischenland zwischen Birsfelden und Basel ihr Lebensraum hegen und pflegen! Beide unsere Kinder haben dort Ihren Schulalltag verbracht. Es ist unglaublich, dass dort während dem Unterricht die Fenster nicht geöffnet werden können.
Stellen sie sich vor, eines Tages halten wir es hier nicht mehr aus und statt abzuwandern setzen wir uns immer wieder auf die Autobahn. Wetten, es gäbe ein internationales Aufsehen?
Herr Morin solche Gedanken sind destruktiv, ich weiss, aber sie sind vorhanden. Ich hatte meinen Ohren nicht getraut, als ich gestern Abend von Ihnen hörte, dass Sie finden, die Autobahn muss ausgebaut werden.
Denken Sie diesbezüglich bitte wirklich neue Strategien aus, solche, welche nicht bereits bei Ausbaubeginn bereut werden müssen. Alle Beteuerungen, dass die Autobahn vollumfänglich, also bis und mit Schwarzwaldtunnel gedeckt werden wird, glaubt Ihnen hier im Quartier niemand. Da reichen nicht mal 3 x 30 Jahre.
Mit freundlichem Gruss
Michele Cordasco